
Diese Buddha-Statue steht im Peace Memorial Museum Hiroshima, verbrannt von der Hitzestrahlung der Atombombe (3000-4000 Grad), die am 6. August vor 79 Jahren über der Stadt abgeworfen wurde. In wenigen Augenblicken starben damals Zehntausende. P. Hugo Enomiya-Lassalle, den die meisten als Brückenbauer zwischen Buddhismus und Christentum kennen, lebte seit 1936 in Hiroshima. Er überlebte die Bombe nur deswegen, weil das Pfarrhaus aus solidem Stein gebaut war. Aufgrund der Erfahrung der Atombombe und des Kalten Krieges sah er – genauso wie sein Lehrer Yamada Koun Roshi – die Zen-Praxis als einen Beitrag zum Weltfrieden.
Persönliche Konflikte genauso wie Kriege haben ihren Ursprung in den Drei Giften: in Gier, Hass und egozentrischer Verblendung, die in jedem Menschen mehr oder weniger aktiv sind. Das gehört zur menschlichen „Ausstattung“; in der tibetischen Medizin sieht man darin sogar den letzten Ursprung von Krankheit. Die gute Nachricht ist: weil wir wahrnehmen können, dass diese Gifte in uns wirksam sind, können wir auch was zu unserer Heilung unternehmen und damit zur Heilung der Welt beitragen. Wenn wir in Versunkenheit sitzen, Za-Zen üben, unterbrechen wir unsere üblichen Aktivitäten. Wir sitzen still und gleiten in den Atemfluss, und allmählich kann sich diese Stille auch auf die mentalen Aktivitäten ausdehnen – die Ego-Aktivitäten kommen zur Ruhe und ein Heilungsprozess kann einsetzen.
Wie jeder Heilungsprozess braucht auch dieser Zeit. Daher ist es wichtig, sich selbst diese Zeit zu geben, sich zu erlauben, sich diese Zeit zu nehmen.
Wer Sport betreibt, kennt das: zuerst kommt das Aufwärmen, zehn bis zwanzig Minuten, und dann kommt man langsam in einen „Flow“ und die eigentliche Übung beginnt. So ist dies auch mit der Übung des Zazen – und deswegen erfahren die meisten einen oder mehrere Tage Übung als sehr hilfreiche Unterstützung.
Auch wenn wir nur selten direkte Auswirkungen der Übung wahrnehmen – Zazen üben bedeutet, sich in Richtung Frieden zu bewegen. Das war die Intention von Yamada Koun Roshi und P. Enomiya-Lassalle für die Verbindung von Zen und Christentum. So ist unser Üben jedes Mal ein Beitrag zur Versöhnung der Gegensätze – in uns, um uns.